Interview mit Hornig

FetzOrDie: Kaum habt ihr im Januar mit MR. ANDERSON euer neues Album auf den Markt geworfen kommst du jetzt schon mit einem Solo-Album um die Ecke. Hast du so einen hohen Output?

Hornig: Auf den Markt geworfen…das hört sich ja an, als ob wir Discount-Punkrock machen…Mr. Aldi-sen. Aber du hast Recht, der Abstand zum Erscheinen des Solo-Dings war recht kurz. Dass kommt zum einen daher, dass ich unentwegt Songs schreibe, auch wenn ich mir Mr. Anderson toure oder aufnehme, und zum anderen daher, dass der Plan ein neues Soloalbum zu machen nicht kurzfristig entstanden ist, sondern schon länger vorhanden war. Also um auf deine Frage zurückzukommen, mein Output ist nicht der höchste, aber ich schreibe kontinuierlich. Darum konnte das so schnell gehen.

FetzOrDie: Handelt es sich bei den Stücken um Sachen, die du mit MR. ANDERSON nicht verwirklichen konntest, oder wie kamst du auf die Idee, ein Solo-Album rauszuhauen?

Hornig: Es sind ein paar Ideen dabei, die ich auch mal kurz mir Mr. Anderson ausprobiert haben. Aber bei Mr. Anderson gibt es den gelegentlich den Satz „das ist ein Hornig-Song“ zu hören, was bedeutet, wenn ich es spiele klingt es gut und rockt, wenn jemand anderes es spielt, funktioniert es nicht, keine Ahnung, warum. So sind also ein paar Ideen auf das Soloalbum gekommen. Allerdings sind alle noch mal von Grund auf überarbeitet worden und quasi brand neu. Sonst bin ich auf die Idee gekommen ein Soloalbum zu machen, weil ich es einfach liebe Musik zu machen, und da reicht eine Sache manchmal nicht.

FetzOrDie: Was vermutlich eher wenige Leute wissen, es ist ja mittlerweile dein zweites Solo-Album. Wo sind für dich zum ersten die Unterschiede?[/b]

Hornig: Hoffentlich wissen es wenige…hahaha. Wenn ich mir „Handmade“ so anhöre, dann fällt mir als erstes auf, dass ich alle Instrumente noch weniger beherrscht habe, als heute. Sonst ist natürlich am augenscheinlichsten, dass ich auf „WEG“ deutsch singe. Außerdem sind die Texte auf „Handmade“ alle sehr düster, melancholisch, teilweise depressiv und zynisch, weil ich damals ne sehr schwierige Zeit durchgemacht habe. Mittlerweile geht es mir seit längerem wieder gut und das kann man hören. Klar sind auch erste Themen auf diesem Album, aber doch eher optimistisch behandelt.

FetzOrDie: Das Album ist generell relativ rockig, finde ich, das steht deiner Stimme gut zu Gesicht, ist aber für jemanden, der dich nur von MR. ANDERSON kennt schon ein bisschen was anderes. Was sind deine Einflüsse, die du für das Album jetzt nennen würdest?

Hornig: Danke….kann ich dir aber gar nicht genau sagen, denn eigentlich höre ich dieselbe Musik privat wie immer. Ich habe einfach versucht ein abwechslungsreiches Album zu machen…das da was rockiges bei rauskommt, meinetwegen gerne. Ich finde aber, das auch viele Pop-Anteile dabei sind, vom Songwriting her. Da kann ich auf jeden Fall Per Gessel als Einfluss nennen, der auch ein schönes Soloalbum hat (The World According To Gessle), das neue ist nicht so gut. Ich höre sowieso viel Popmusik in letzter Zeit. Dass ich Britney Spears super finde ist ja jetzt auch kein Geheimnis mehr. Sonst die üblichen verdächtigen: Joey Cape schreibt wunderbar, ich mag auch, wie Deryck Whibley oder Dexter Holland Songs schreiben…immer nach dem gleichen Muster, aber die machen halt auch immer Spaß.

FetzOrDie: Auf dem Album singst du jetzt komplett auf Deutsch, das ist man von dir (bzw. von deiner Arbeit bei MR. ANDERSON) ja so nicht unbedingt gewohnt. Wie bist du auf die Idee gekommen das Album komplett auf deutsch zu machen? War es eine Herausforderung, deutsche Texte zu schreiben?

Hornig: Auf die Idee bin ich beim Autofahren gekommen. Bei 120kmh auf der Schnellstraße von Bielefeld nach Lemgo und ich hab einfach 365 Grad gebrüllt… und zack, war die Idee geboren. Außerdem haben ein paar Freunde mir das auch vorgeschlagen, als ich vom Soloprojekt berichtet habe. Eine Herausforderung war es, die ernsten Texte und die, die Liebe nicht wie Schlager oder Grönemeyer zu klingen lassen. Ich wollte Texte, die sich anfühlen, als ob sie auch normal gesprochen werden könnten, als ob sie teil eines normalen Gesprächs sein könnten, und das hat größtenteils funktioniert, denke ich.

FetzOrDie: Wie arbeitest du, wenn du alleine aufnimmst? Das läuft vermutlich anders ab, als wenn du mit der Band zusammen an Stücken arbeitest, oder?

Hornig: Ich nehm die Klampfe und spiele los, bis mir was gefällt.,,.Ich weiß nicht, wie andere Songs schreiben, aber ich mache das meistens so, auch für Mr. Anderson, dass ich dann die neuen Songs vorproduziere. Die Demos brenne ich dann auf eine CD, die ich durchgängig im Auto höre. Meistens hab ich da schon eine Idee zum Text im Kopf. Dann summe ich irgendwann wenn ich den Song gut genug kenne dazu eine Melodie, dann sing ich irgendwann Bullshit dazu und danach fällt mir irgendwann was Gutes ein, textlich und melodisch, was ich dann in mein Telefon brülle und zu hause aufschreibe. So wars auch bei „365 Grad“ ich wusste ungefähr, was der Text aussagen sollte, mir fehlten nur die richtigen Worte. Auto-Brüllen-aufschreiben…ganz einfach.
Die eigentlichen Aufnahmen sind dann ganz locker, eins nach dem anderen, ohne Zeitdruck, nur nach Gefühl, mit viel Geduld und langen Nächten, alles bei mir zuhause, in den Räumen der Couchland Multimedia Studios, mit Experimenten… Eingesungen hab ich z.B. im Kleiderschrank, wegen der schönen Akustik…

FetzOrDie: Viele andere Sänger haben in der letzten Zeit angefangen Singer- / Songwriter-Sachen aufzunehmen. Können wir von dir ein drittes Solo-Album mit viel Lagerfeuerromantik und einer Klampfe und deiner Stimme erwarten? Reizt dich sowas? Oder bist du musikalisch doch eher auf die eher rockigeren Sachen eingestielt?

Hornig: Reizt mich schon, ist ja auch am einfachsten zu machen…Gitarre, Gesang und n Shaker, fertig. Vielleicht machen das deshalb so viele. Keine Ahnung, vielleicht irgendwann mal…erst muss ich noch ein Popalbum machen, mit Keyboards und so, das wird geil.

FetzOrDie: Hast du Solo irgendwelche Pläne in Bezug auf Shows spielen oder ähnliches?

Hornig: Ja, ich werde als One-Man-Band mit Pauke auf dem Rücken, Klampfe in der Rechten, Bass in der Linken und Mikro am Headset bei Rock am Ring auftreten. Samstag, 22 Uhr. Das wird gut. Aber außer dem plane ich nichts. Solo ist ja auch „just for fun“, live hat Mr. Anderson uneingeschränkt Vorrang…es sei denn ich werde mit der Soloplatte berühmt, dann bin ich schneller bei der Bravo-Super-Show als du The Dome sagen kannst.

FetzOrDie: Was gibt es neues bei MR. ANDERSON?

Hornig: Mr. Anderson arbeitet, arbeitet, abreitet. Wir sind mächtig kreativ in alle Richtungen und könnten quasi sofort wieder ins Studio gehen…aber erstmal entspannen und dann mal sehen. Letzte Wochen (02.05) haben wir eine Geheimshow gespielt und da konnte man einen der neuen Tracks schon hören, aber das war eine Ausnahme, wird nich6t so schnell wieder vorkommen.

FetzOrDie: Wie waren die Reaktionen auf euer neues Album? Ein paar Reviews habt ihr ja auf eure Startseite gestellt, gab es noch weitere Reaktionen?

Hornig: Die waren durch die Bank gut. Wir sind zufrieden, die Kritiker sind zufrieden, die Fans sind zufrieden….sogar meine Eltern sind zufrieden, obwohl die es etwas zu hart finden… Für uns war und ist es das Album, was wir haben wollten…und die Reaktionen geben uns Recht. Ich höre es immer noch gerne im Auto, so als Gedächtnisstütze, worum es geht, wenn wir Musik machen…

FetzOrDie: Was für Pläne habt ihr als Band für den Rest des Jahres?

Hornig: Erstmal spannen wir aus, spielen Konzerte und freuen uns. Dann wird natürlich, wie erwähnt, weiter geschrieben und getextet und dann wollen wir mal sehen, was noch so alles passiert. Ich glaube, es sind noch einige Sachen, zu denen ich lieber noch nichts sage, aber das bekommt ihr schon noch raus.

Bexx

Hornig @ FetzOrDie
CD-Review "Weg"
www.myspace.com/superhornig
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