01.12.2010 - Eastpak Antidote Tour

Event:01.12.2010 - Eastpak Antidote TourLocation:HugenottenhalleStadt:Neu IsenburgDate:01.12.2010Link:http://www.hugenottenhalle.deLine Up:Sum 41 - The Black Pacific - Riverboat Gamblers - Veara - -

Seit ein paar Jahren hat sich die Antidote Tour mittlerweile etabliert und bringt jedes Jahr im Spätherbst ein paar Bands in unsere Gegend, wobei ich in den letzten Jahren mit den Line-Ups eher wenig anfangen konnte… Dieses Mal bot es sich auf jeden Fall an zu gucken, wie sich Jim Lindberg mit seiner neuen Band THE BLACK PACIFIC schlagen würde…

Der Spaß beginnt allerdings im dichten Schneegestöber Unterfrankens. Als ich nach einer Stunde ‚Fahrt‘ noch nicht mal aus Würzburg raus bin, überlege ich schon, wieder umzudrehen… Vermutlich hätte das zu dem Zeitpunkt aber ungefähr so lange gedauert wie meine restliche Abendplanung, also weiter durchhalten und irgendwann dann doch etwas zügiger vorwärts kommen.

Als ich in Neu-Isenburg eintreffe, haben VEARA (netter Poppunk aus Kalifornien, jetzt bei Epitaph Records) und die Riverboat Gamblers (netter Punkrock) schon gespielt und THE BLACK PACIFIC sind dabei, sich startklar zu machen…
Da es der letzte Abend der Tour ist, haben die Vorbands viel Unsinn im Kopf, den jetzt vor allem THE BLACK PACIFIC um den ehemaligen PENNYWISE-Sänger Jim Lindberg ausbaden müssen… Nach jedem Song wird ein neues Getränkt kredenzt, wobei man sich von verschiedenen lokalen Biersorten nach den ersten beiden Songs recht schnell zu höhertourigen Getränken vorarbeitet. Nichtsdestotrotz halten die Jungs sich wacker und spielen ihr Set routiniert runter. Die Vergleiche mit PENNYWISE wird Jim wohl in der nächsten Zeit nicht los werden, ist es doch seine markante Stimme, die über viele Jahre hinweg das Markenzeichen seiner alten Band darstellte. Ähnlich ist es auch bei THE BLACK PACIFIC: Live kommen die soundtechnischen Nuancen, die auf der Platte noch durchstechen können, nicht wirklich rüber, deswegen klingt es tatsächlich wie eine etwas poppigere Version von PENNYWISE. Jim ist nach einem Skateboard-Unfall in der vorangegangenen Woche mit ein paar gebrochenen Rippen etwas angeschlagen und ist deswegen in seinen Bewegungen deutlich eingeschränkt, lässt sich beim Gesang aber nichts anmerken. Der Jugend gefällt es, und als man dann zum Abschluss noch das RAMONES-Cover ‚Blitzkrieg Bop‘ auffährt, tanzt der ganze Saal. Direkt im Anschluss an die Show kommt Jim noch mit einer Nachwuchsband auf die Bühne, die im Vorfeld der Tour einen Context gewonnen hatten und jetzt einen Song zusammen mit Jim spielen dürfen. Dieser ist mittlerweile aber doch recht angeschlagen und beschränkt sich darauf, das Publikum zum mitklatschen zu motivieren, während die Jungs ihre 15 Minuten des Ruhms genießen. Gerade der Bassist macht davon ausgiebig Gebrauch, was ich schon arg überzogen fand, aber okay… Die Jugend spielt mit und klatscht brav… Und dann ist es auch schon wieder vorbei…

Nach elendig langer Umbaupause kommen dann SUM 41… Und vermutlich gehört schon die elendig lange Umbaupause mit zum Rockstar-Ding, das jetzt aufgefahren wird. Vor allem die ‚Does this look infected‘ fand ich persönlich immer ganz gut hörbar, nach dem heutigen Abend hat die Band bei mir aber böse verloren… Es hat so ein bisschen den Eindruck als ob Derek, seines Zeichens Avril Lavignes Ex-Gatte und Sänger / Gitarrist bei SUM 41, der Herr im Hause ist… Die anderen Musiker reden während der Songpausen gar nicht, die Mics vor ihrer Nase dienen nur dem Chorgesang… Und ansonsten lässt sich Mr. Derek feiern… Schon ersten Song werden in einem knapp vierminütigen Zwischenspiel je zwei Jungs und zwei Mädels aus dem Publikum ausgewählt, die auf die Bühne dürfen. Eigentlich eine gar nicht so schlechte Aktion, die vier dürfen sich aber auf der Bühne nur in einem extra auf dem Boden markierten Bereich aufhalten, der die Platzanforderungen jeder Legehennenverordnung locker unterläuft. Und sobald auch nur ein Fuß über die Linie stapft kommt ein Roadie und sagt ein paar Takte zum Thema… Naja… Die Zwischenspiele tauchen übrigens in jedem Song auf, allerdings nicht, um dann mit dem Publikum zu interagieren, sondern halt einfach so… Niemand redet mit dem Publikum, niemand kümmert sich so richtig um das Publikum, es gibt für zwei (oder drei, oder vier, oder fünf) Minuten nur dieses Grundgerüst aus einer schrebbelnden Gitarre, den Drums und einzelnen Basszupfern, dann wird noch flugs die fehlende Strophe des Songs dran gehängt, dann lässt man sich feiern… Nächstes Lied, gleiches Spiel… Nach knapp 30 Minuten hätte man da problemlos schon vier oder fünf Songs mehr gespielt haben können, aber nee… Als dann auch ‚Still waiting‘ und ‚Fat Lip‘ durch diese Einsprengsel endgültig ruiniert werden, reicht es mir… Ich fahre…

Fazit: Auch als 15jähriges Kid hätte ich das schon unverschämt gefunden, was SUM 41 da abgezogen haben, das hat (leider auch musikalisch) nix mit Punkrock zu tun, das ist irgend ein Müll, für den mir nur eben diese Kategorie einfällt. Es mag sein, dass die Band mal groß war und dass sie echt gute Shows gespielt hat… Hier und heute sind sie mit so einer Show und so einer Einstellung einfach nur überflüssig.

bexx.

Verfasst von raphi am 16.12.2010 um 12:06 Uhr