05.12.2010 - Telekom Extreme Playgrounds

Event:05.12.2010 - Telekom Extreme PlaygroundsLocation:VelodromStadt:BerlinDate:05.12.2010Link:http://www.velodrom.deLine Up:Boysetsfire - Panic! at the disco - Trashmonkeys - World Cup Event Skateboarding - Internationaler BMX Contest - -

Seit ein paar Jahren sind die Extreme Playgrounds in Berlin der Beweis dafür, dass die Kombination aus Sport- und Musikevent immer wieder eine nicht eben geringe Menge Zuschauer anziehen kann. Da diese Art der Veranstaltung auch für diverse Firmen eine gern gesehene Möglichkeit ist, sich ihrem potentiellen Zielpublikum zu präsentieren, darf man sich allerdings auf eine gewisse Berieslung gefasst machen… Trotzdem ist das Konzept als solches durchaus überzeugend, boten doch die Sportler wie auch die anwesenden Musiker eine durchaus überzeugende Leistung, wobei vor allem die Reunion-Show von BOYSETSFIRE für mich den Grund des Besuchs darstellte. Man munkelt, die Band habe für diese eine Show 80000€ kassiert, da dürfte sich neben der Band auch gleich die Bookingagentur gefreut haben. Solche Summen sind vermutlich allerdings vor allen Dingen durch die Beteiligung diverser Firmen möglich, vom Hauptsponsor des Events bis hin zu kleinen Bike-Firmen ist so ziemlich alles vertreten.
Während der Sportevents sind die Moderatoren zwar stellenweise etwas nervtötend, die befürchtete ständige (und vor allem ‚beiläufige‘) Erwähnung irgendwelcher Sponsoren bleibt aber erfreulich selten, wesentlich schlimmer sind die ständigen Wiederholungen (‚ der 17jährige Ausnahmeathlet‘, ‚all eyes on the Jumpbox‘), die mich noch beim einschlafen verfolgt haben.
Der Skatecontest ist von der Tribüne aus relativ unspektakulär, und das, obwohl einige der gezeigten Tricks durchaus einen ekeligen Schwierigkeitsgrad besitzen…
Die BMXer haben den Vorteil, dass sie mit ihren Geräten mehr Fahrt aufnehmen und sich dementsprechend wesentlich höher aus irgendwelchen Rampen katapultieren können. Und während man zwar sieht, dass der Skater sein Board mit den Füßen um diverse Achsen dreht, sieht es schon wesentlich wüster aus, wenn die BMXer sich samt ihrer Bikes um 720° drehen und das ganze noch in einen Backflip verpacken.

Anyway, für kurzweil ist auf jeden Fall gesorgt und als die TRASHMONKEYS dann loslegen, bin ich schon so geplättet, dass ich dringend was futtern muss – ich hab sie schlicht und ergreifend verpasst, vom letzten Song abgesehen… Danach gibt es dann wieder Streetfahren zu begucken, bis dann PANIC! AT THE DISCO auf die Bühne dürfen. Auf Platte haben die ja ein paar durchaus feine Sachen am Start, live funktioniert das allerdings nicht… Die Band ist ja stellenweise neu besetzt, man scheint auf der Bühne auch durchaus Spaß zu haben, aber die genau gesetzten Breaks und filigranen Spielereien im Sound, die die Band auf Platte eben etwas anders klingen lassen, kommen live so gut wie gar nicht zu Geltung. Das kann leider auch die gute Gesangsleistung nicht rausreißen, nicht nur ich bin offensichtlich enttäuscht…

Aber eigentlich warten dann doch alle nur auf BOYSETSFIRE, bis zu deren Beginn kann man allerdings BMXern und Skatern dabei zusehen, wie sie sich aus einer fünf Meter hohen Halfpipe katapultieren… Auch hier ist ein 17jähriges Wunderkind am Start, der einige durchaus erschreckend rabiate Manöver auspackt… Nach Ende des Contests strömen die Massen dann aber wieder vor die Bühne, um nach 3-jähriger Pause die Wiederauferstehung von BOYSETSFIRE feiern (haha, mieses Wortspiel) zu können. Ben und ich sind uns einig, dass es blöd wäre, diese Show mit irgendwas anderem als ‚After the Eulogy‘ zu beginnen und werden nicht überrascht: Die ganze Halle brüllt ‚Rise‘ und dann sind sie wieder da… Direkt im Anschluss gibt es ‚Release the dogs‘ und eigentlich kann man schon zu diesem Zeitpunkt attestieren, dass die Band nichts von ihrer Energie verloren hat. Nathan Grey klingt im BSF-Gewand so viel druckvoller als bei THE CASTING OUT, und die Tatsache, dass die Band es schafft, so zu klingen wie vor der Pause, lässt jegliche Kritik sofort verstummen.
Natürlich ist die Bühne auf Grund der Bauten für den Streetparcour ziemlich weit vom Publikum entfernt, natürlich wäre eine Reunion-Show im SO36 sicherlich noch viel intensiver gewesen, Fakt bleibt aber, dass BOYSETSFIRE dieser Clubgröße vor ihrer Auflösung schon ein bisschen entwachsen waren und es jetzt vermutlich definitiv sind, auch wenn ich für die für Juni 2011 angekündigte Tour hoffe, dass es eher angenehm kleine Läden sein werden, die man spielt. Das Set rauscht nur so an uns vorbei und ich persönlich tippe für das Grande Finale auf einen Doppelschlag aus ‚My Life in a Knife Trade‘ und ‚Rookie‘, der so allerdings nicht Eintritt. Die Zugabe ist den Reaktionen des Publikums nach durchaus berechtigt, ein eindrucksvolleres Zeichen der Rückkehr wäre es in meinen Augen aber gewesen, das Set mit ‚Rookie‘ zu beenden und die Leute richtig hungrig zu machen auf die Tour. Naja, wenn überhaupt, dann war das ein kleiner Schönheitsfehler, ansonsten gibt es überhaupt nichts zu bemängeln. Willkommen zurück!!

bexx.

Verfasst von raphi am 16.12.2010 um 12:20 Uhr