11.05.2009 - Metallica - Frankfurt, Festhalle
Event:Metallica - Frankfurt, FesthalleLocation:FesthalleStadt:FrankfurtDate:11.05.2009Link:http://www.messefrankfurt.com/festhalle/de/home.htmlLine Up:Metallica - Machine Head - The Sword
Die größte Rockband der Welt ist zurück. Eigentlich fasst dieser eine Satz alles zusammen, was ich jetzt noch schreiben werde, obwohl ich hoffe, dass ihr nicht in der zweiten Zeile schon aufhört weiterzulesen.
Die ‚World Magnetic Tour 09‘ ist (zumindest was den deutschen Teil angeht) keine Woche nach Beginn des Vorverkaufs auch schon ausverkauft. Nach einigen Jahren mit größeren Pausen (die Geschichte der Band setze ich einfach mal als bekannt voraus) und gerade in Europa nur vereinzelten Festivalshows gibt es jetzt endlich wieder eine richtige Tour.Passend zur Tour veröffentlich die Band ihre eigene Guitar Hero-Version, und diverse dieser Werbetrucks begrüßen uns beim Eintreffen an der Festhallte. Das Publikum ist überraschend alt, relativ wenig Kids, dafür ziemlich viele Kuttenträger, die Band scheint doch nach wie vor mehr Fans im Metal zu haben, als man manchem Gejammer über ihre zu kommerziellen Alben noch zugetraut hätte. Der Einlass verläuft reibungslos, die Security ist nett und arbeitet schnell und ordentlich. Als wir in der Halle sind, spielen THE SWORD schon, trotzdem nutzen wir die Gelegenheit und gucken am Merch vorbei. 30€ für ein Tourshirt finde ich nicht unbedingt günstig (selbst AC/DC sollen auf ihrer Tour jetzt nur 25€ genommen haben), die Preise für Hoodies liegen mit 75€ dann in einem schon mehr als schmerzhaften Bereich, klar ist die Tour erfolgreich, und es haben sich ganz bestimmt auch sehr viele Leute mit Shirts eingedeckt an dem Abend, aber etwas mehr Fanfreundlichkeit hätte ich da schon erwartet, zumal sich auch Vorband und Special Guest an die Preisvorgaben halten müssen.
Anyway. THE SWORD spielen wie gesagt schon, reißen mich aber nicht wirklich vom Hocker. Rock mit Metal-Einflüssen und sehr vielen Soli, irgendwo meine ich LED ZEPPELIN zu erkennen, bin mir aber nicht sicher. Die Band macht ihre Sache ordentlich, wird aber vom Publikum weitesgehend ignoriert, der Applaus ist höchstens als ‚dünn‘ zu bezeichnen.
So bietet sich aber die Gelegenheit, die Bühne in aller Ruhe zu begutachten. Sie steht nicht, wie man es eigentlich kennt, an der Wand der Halle, sondern mittendrin. Von überall aus kann man einen wirklich guten Blick auf die Bühne erhaschen, auch wenn sie für meinen Geschmack gute 30-50cm höher hätte sein dürfen, das hätte das für die Leute hinter uns sicherlich auch vereinfacht was zu sehen, während der Show, als alle Leute ihre Hände oben haben, gibt es nämlich zwischenzeitlich nix zu sehen, außer Händen. Anyway. In vier Ecken um die Bühne herum sind unter der Hallendecke ‚Särge‘ mit Lichteffekten angebracht (die optisch an das Death Magnetic-Cover angelehnt sind), ebenso ist die Lichttraverse direkt über der Bühne sternförmig mit vier dieser Särge bestückt. Noch ist die Bühne allerdings in relativ normales Licht gehüllt.
Das ändert sich zum ersten Mal, als MACHINE HEAD auf die Bühne kommen, sie beginnen ihr Set in blutrotem Licht, nehmen ziemlich schnell Fahrt auf, und auch wenn der Sound nach wie vor etwas zu wünschen übrig lässt, ist er besser als noch bei THE SWORD. Rob Flynn und seine Mannen geben ihr Bestes und animieren das Publikum, sie nutzen die komplette Bühne weidlich aus und rotieren munter zwischen den taktisch geschickt verteilten Mikrophonen an den verschiedenen Ecken der Bühne. Das Cover von ‚Hallowed be thy name‘ stellt so etwas wie einen ersten Höhepunkt dar, die Chöre werden vom Publikum schon recht eindrucksvoll intoniert, auch wenn das erst ein Vorgeschmack auf später ist. Mit ‚Davidian‘ beendet die Band ihr 45minütiges Set, und jetzt heißt es warten.
… Und METALLICA lassen sich Zeit. Die Umbaupause ist gegen 2045 zu Ende, danach tut sich überhaupt nichts mehr. Erst um 2115 beginnt das Intro ‚The Ecstasy of Gold‘, die Band kommt auf die Bühne und das erste Lied geht in einem Lasergewitter unter. Beeindruckend, was die Lichttechnik der Band da auf die Bühne produziert, der Sound ist jetzt auch wieder um Welten besser, und überall um die Bühne bilden sich einzelne, mehr oder weniger wilde Moshpits. Die Band spielt gut, auch wenn sich im Laufe der Show wieder zeigen wird, dass Lars Ulrich nicht beste Drummer der Welt ist und hier und da ein paar Stolperer auftauchen, interessieren tut es eigentlich niemanden. Denn, allen Unkenrufen zum Trotzt, die Band rockt. Nicht so tight wie AC/DC, dafür aber mit Herz und viel Energie und dem gewissen rotzigen Punkeinschlag, den sie bei den Coversongs auch immer mal wieder haben durchblicken lassen. METALLICA spielen fast das komplette neue Album, gerade in der ersten Hälfte der Show sind relativ wenige alte Sachen eingestreut, diese werden aber doch um einiges frenetischer gefeiert als die neuen Sachen. Von St Anger gibt es überhaupt nichts zu hören, schlimm ist das allerdings auch nicht. Rob Trujillo ist ein ziemliches Tier, Grimassen-schneidend stapft er von einer Seite der Bühne zur nächsten, während James Hetfield stimmlich extrem gut klingt (auch besser als bei den Mitschnitten, die es von den Festivalshows der letzten beiden Jahre zu hören gab, für meine Ohren). Lars Ulrich hampelt und grimassiert hinter seinen drehbaren Drumset, hat aber offensichtlich eine extrem gute Zeit, einzig Kirk Hammett bleibt etwas dezenter im Hintergrund (solange er keine Soli spielen darf, dann dreht er auf). Die Band hat ganz offensichtlich Spaß, die Ansagen klingen alle sehr ehrlich, James redet mit Leuten in den ersten Reihen, die ihm etwas zurufen und gibt einen ziemlich guten Entertainer ab. Nach gut 90 Minuten gibt es eine erste (als solche zu erkennende) Verschnaufpause seitens der Band, mit ‚Master of Puppets‘ hat man eben ein erstes, richtig dickes Ausrufezeichen in die Halle gesetzt, Kirk Hammett sologniedelt ein bisschen alleine rum und setzt dann mit ‚Nothing else matters‘ ein, irgendwann kommt James Hetfield auf die Bühne und übernimmt, es ist schon fantastisch die ganze Halle aus vollem Hals singen zu hören, ähnlich überzeugend fand ich bis jetzt nur ‚Fear of the dark‘ auf den verschiedenen Live-Alben von IRON MAIDEN, man kriegt zwangsläufig eine ziemliche Gänsehaut. Die Band kommt dazu, das Lied wird’schön zelebriert und endet in einer Feedback-Orgie von Herrn Hammet, die dann unverhofft in ‚Enter Sandman‘ übergeht. Das wird begleitet von einigen heftigen Explosionen und Feuersäulen, die die tropischen Temperaturen in der Halle nur weiter in die Höhe treiben. Dann gibt es eine wirkliche Pause (nach guten 115min), die Band kommt aber sehr schnell zurück, covert MOTÖRHEAD, hat Spaß, will gehen, bleibt doch noch, macht Spielchen mit dem Publikum, lässt sich feiern, bittet darum das Saallicht anzuschalten, damit man das Publikum besser sehen kann und rotzt zum Abschluss noch ‚Seek and destroy‘ in die vollkommen begeisterte Menge. Danach ist zwar Schluss, aber die Band bleibt nach mehr als 125min reiner Spielzeit noch gute 15 Minuten auf der Bühne, schüttelt über den Graben hinweg Hände, lässt sich fotografieren, verschenkt Unmengen an Plektren und Drumsticks und bedankt sich mehrfach für die überwältigende Resonanz während und nach der Show. Das versöhnt dann mit den Merch-Preisen wieder etwas, denn so eine Form von Fannähe sieht man auch nicht so oft. Irgendwann ist dann aber wirklich Schluss, und in Mitten von begeisterten Massen wanke ich zum Auto.Auf dem Rückweg werde ich auf der Autobahn dann noch von der Polizei rausgewunken, die Herren reagieren allerdings sehr begeistert, als ich sage, wo ich herkomme und lassen sich den Abend ziemlich detailliert schildern (O-Ton: ‚Scheiße, da wollte ich auch hin. Was haben sie denn von den alten Sachen gespielt?‘). Etwas zu spät um am nächsten Morgen einen fitten Eindruck machen zu können falle ich ins Bett und beschließe, auf der nächsten Tour wieder dabei zu sein.
bexx
Verfasst von raphi am 16.05.2009 um 13:00 Uhr | Comments: 0
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